Die Freiburger wissen, wo
sie Taschen, Rucksäcke und Koffer reparieren
lassen können. Dank ihrer Flüsterpropaganda
floriert der kleine, in der Region einzigartige
Handwerksbetrieb. In Offenburg gibt es laut
Handwerkskammer eine weitere Feintäschnerei.
"Hier sieht es ja aus wie in der
Pumucklwerkstatt" habe ein Kunde ausgerufen,
als er vor Jahren die Sattlerei zum ersten Mal
betrat. Schon der Hof, durch den die Kunden bis
zum Eingang gehen, versetzt ins Freiburg der
zwanziger Jahre. Aus jener Zeit stammt
auch manches Stück, das seinem Besitzer durch
Erinnerungen teuer geworden ist. Oft fertigen die
Täschner an die Bügel solch alter Koffer oder
Taschen neues Leder. Diese Metallteile seien
heute selbst Raritäten, denn sie werden, wie die
Masse der Lederwaren, in Deutschland nicht mehr
hergestellt. Norbert Eckert und sein Vater
sammeln Bügel, Ösen, Haken und Verschlüsse und
haben Bestände in Werkstätten und
Herstellerfirmen, die geschlossen wurden,
aufgekauft. ,,Maulbügelkoffer", eher
bekannt als Hebammentaschen, erleben eine wahre
Renaissance. Bei den Großeltern oder auf Flohmärkten
aufgestöbert, soll der Täschner ihnen zu neuem
Glanz verhelfen.
Norbert Eckert
versteht sein Handwerk als Täschner. In 40
Arbeitsstunden entstand sein Meisterstück: ein
Stadtkoffer aus braunem Rindsleder mit
Lederfutter und aufwendigen Innenfächern. Und
ein Lehrer leistete sich die zwanzigstündige
Arbeit zu einem Aktenkoffer, in den drei Leitz-Ordner
hineinpassen sollten. Ein Fünftel seines
Umsatzes erwirtschaftet der Betrieb durch solch
spezielle Wünsche. Ein Indianerfan etwa ließ
sich eine Umhängetasche aus Naturleder mit
Nieten Fransen und großen Schnallen fertigen.
Andere Kunden suchen ein bestimmtes Format oder
wollen ihre gewohnte Tasche wieder haben, wenn
das Leder zerschlissen ist.
Vor drei Jahren
hat Norbert Eckert den Betrieb von seinem Vater
übernommen, seither hat er den Handel mit
Lederwaren ausgeweitet, verkauft auch
Lederzuschnitte und Zubehör wie Karabinerhaken.
Als Motorradfahrer hat er zudem eine Marktlücke
entdeckt und erschlossen: ,,Ich repariere und ändere
Motorradbekleidung." Ein Kunde will an
seiner roten Lederjacke den Kragen enger haben,
am Rücken eine Hartschaumeinlage eingesetzt und
den Reißverschluß erneuert haben. Großkunde
ist eine Handelsfirma für Motorradanzüge, die
in Korea hergestellt werden. Garantiefälle
schickt die Firma in das Granatgäßle, wo sie
von einem Tag auf den anderen repariert werden.
Das klassische
Geschäft, die Reparaturen, bringen 40 Prozent
des Umsatzes. Jede Woche etwa werden acht bis
zehn Schulranzen gebracht, in den Osterferien
stapelten sich 80 Exemplare an den Wänden hoch.
Und nach den Sommerferien erfordert eine Flut von
Koffern, Rucksäcken und Motorradanzügen in
jedem Jahr Nachtschichten. Der Täschner spielt
auch Trompete. Mit einem Freiburger
Instrumentenbauer hat er gepolsterte Rucksäcke
entworfen, die das Instrument, den Notenständer
und die Noten aufnehmen.
Für Norbert
Eckert war es nach dem Abitur im Jahr 1985 eine
Selbstverständlichkeit, in die Fußstapfen
seines Vaters zu treten. Von Kindesbeinen an war
er hinter der Nähmaschine gesessen und in die
Handgriffe des Täschners richtiggehend
hineingewachsen. Ausschlaggebend Für seine
Berufswahl war dann die Erkenntnis: ,,Arbeitslos
werde ich nie, Reparaturen gibt es immer."
Als erster Lehrling seines Vaters lernte Norbert
Eckert in der Praxis den Beruf des Feintäschners,
als einziger im Täschnerhandwerk in der Region
überhaupt besuchte er in der Berufsschule die
Klasse der Raumausstatter. 1991 absolvierte er
dann die Meisterprüfung im Sattlerhandwerk nach
einem Kurs in Bayern. Dort hat er auch gelernt,
das Verdeck eines Cabrios anzufertigen und
Autositze zu polstern und zu beziehen. Wir machen alles",
sagt Norbert Eckert und er fährt fort: ,,Jedes Stück ist anders, das ist das
Interessante an meinem Beruf." In einem Fall
konnte er jedoch nicht helfen; ein Kunde wollte
auf einen Fahrradmantel einen Lederflicken genäht
haben.